Als ich jung war, bin ich mit einem Freund mit dem Fahrrad von Berlin bis nach Rom gefahren. Drei Wochen voller großartiger Erlebnisse – aber auch voller Herausforderungen. Eine Sache hat sich mir besonders eingebrannt: die Tunnel.
Diese langen, dunklen Röhren durch die Berge. Oft schlecht oder gar nicht beleuchtet. Kilometerlang. Das Dröhnen der Autos und LKWs direkt neben uns. Man sah das Ende nicht – und nach wenigen Minuten wollte man eigentlich nur noch umdrehen.
Wenn ich heute auf mein Leben schaue, erinnern mich diese Tunnel an Phasen, in denen man das Gefühl hat, nicht voranzukommen. Es ist dunkel. Orientierung fehlt. Das Ziel ist plötzlich weit weg. Und der Gedanke aufzugeben wirkt verlockend.
Auch bei unserer Fahrradtour hatten wir ein klares Ziel: Rom. Doch mitten im Tunnel geriet es leicht aus dem Blick. Genau so geht es uns im Leben: Wir starten mit Visionen, Träumen, Berufung – und verlieren sie unterwegs aus den Augen, wenn es zäh, laut und dunkel wird.
So ging es auch dem Volk Israel. Nach 400 Jahren Sklaverei wurden sie befreit. Doch kaum war Ägypten hinter ihnen, wollten sie zurück. Erst als Pharao mit seinen Streitwagen näherkam, dann sogar nachdem Gott das Meer geteilt hatte.
Die Bibel beschreibt es erschreckend ehrlich: „Sie murrten gegen Mose und Aaron (…) und sagten zueinander: ›Lasst uns einen Anführer wählen und nach Ägypten zurückkehren!‹“ (4. Mose 14,2–4).
Sie gaben ihren Traum auf – nicht, weil Gott untreu war, sondern weil der Weg dorthin schwieriger war als gedacht.
Ein Satz hat sich mir tief eingeprägt:„Gib dich nicht mit weniger zufrieden als mit Gottes bestem Plan für dein Leben.“
Sich mit weniger zufriedenzugeben bedeutet, mitten im Tunnel umzudrehen. Freiheit gegen vermeintliche Sicherheit einzutauschen. Lieber bekannte Sklaverei als unbekannte Verheißung.
Wenn Gottes Plan dich durch einen Tunnel führt, dann geh hindurch. In der Mitte ist es am dunkelsten. Genau dort wirst du versucht sein, zurückzulaufen. Aber der Weg ins Licht führt nur nach vorne.
Ich liebe das biblische Bild vom Säen und Ernten. Ein Bauer sät – und dann kommt der Winter. Dunkel. Kalt. Still. Aber dieser Winter ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern Teil des Prozesses. „Lasst uns nicht müde werden, Gutes zu tun. Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht aufgeben“ (Galater 6,9).
Zwischen Säen und Ernte liegt fast immer eine Verzögerung. Gott formt in dieser Zeit unseren Charakter. Eine sofortige Ernte würde nichts beweisen – kein Vertrauen, keine Treue, kein Wachstum.
Auch Jesus ermutigte seine Jünger ausdrücklich, nicht aufzugeben (Lukas 18,1). Am Ende gibt es immer zwei Wege: bleiben oder umdrehen. Durchhalten oder aufgeben.
Bleibst du bei Gott, verlierst du deinen Mut nicht. Entfernst du dich von ihm, werden dich die Umstände entmutigen – ganz egal, wie sie aussehen.
Herausforderung für heute: Wo steckst du gerade im Tunnel? Triff heute eine bewusste Entscheidung, nicht umzukehren. Bete konkret: „Gott, hilf mir, diesen Tunnel zu Ende zu gehen – Schritt für Schritt.“
Du bist nicht allein im Tunnel.
Und es gibt ein Ende.
Geh weiter.
Sei gesegnet!
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, trotzdem weiterzugehen“ (Nelson Mandela).


